STADTGESPRÄCH

(Von Juliane Kaune / HAZ)
 
Beharrlichkeit haben sie bewiesen, die Bürger, die sich vehement für den Erhalt der Kapelle auf dem Gelände des Oststadtkrankenhauses eingesetzt und dafür sogar Demonstrationen organisiert haben. Es heißt schon einiges, so viel öffentliche Meinung – oder öffentlichen Druck - zu erzeugen, dass am Ende sogar der siegreiche Architektenentwurf für das Großprojekt zum Wohnungsneubau ausdrücklich die Kapelle mit in der Planung vorsieht. Doch nun geht die Arbeit erst los: Sanierungen und Umbauten sind nötig, damit das Gebäude auch wirklich dauerhaft erhalten werden kann.

Die Idee des neu gegründeten Fördervereins für die Kapelle, jetzt zunächst einmal im bestehenden Gebäude mit einer kulturellen Veranstaltungsreihe Aufmerksamkeit zu erzielen, ist sicher keine schlechte. Aber auch auf die Stadt als Geldgeberin für die erforderliche Bausumme von 230.000 Euro zu hoffen, scheint angesichts der Vorgeschichte, in der die Verwaltung wenig Interesse am Erhalt der Kapelle zeigte, und im Hinblick auf die öffentliche Kassenlage ein aussichtsloses Unterfangen zu sein. Stiftungen und Sponsoren anzusprechen ist dann wohl die erfolgversprechendere Methode. Un wichtig wird es sicher auch sein, die jetzt geplanten Kulturtermine ausdrücklich als Benefizveranstaltungen zugunsten der Kapelle zu deklarieren. Vielleicht schreiben die Organisatoren ja in ihre Einladungen demnächstnicht bloß "Spenden erbeten", sondernwagen klare Worte: "Spenden – dringend nötig!"

»Neuer Anlauf für die Kulturkapelle«
BERICHT:  Hannoversche Allgemeine Zeitung
vom 17. April 2014

Verein startet Veranstaltungsreihe in Sakralbau auf dem Gelände des Oststadtkrankenhauses

(von Marcel Schwarzenberger / HAZ)

GROSS-BUCHHOLZ.  Wie sitzt man am besten, wenn eine 360-Grad-Vorstellung geplant ist? Wenn die Künstler die Bühne verlassen und sich an den Wänden rings um das Publikum bewegen? Das ist eine Frage, die sich dieser Tage die Initiatoren des neuen Vereins „Begegnung-der-Künste“ stellen. Der Verein will die heutige Klinikkapelle des Oststadtkrankenhauses, auf dessen Gelände ein Wohngebiet entstehen soll, dauerhaft als Kulturzentrum und Veranstaltungsort erhalten - für die künftigen Bewohner, aber auch für Bürger angrenzender Viertel und für Kulturfreunde stadtweit. Am letzten Sonntag im April soll mit einer Performance der Aktionskünstlerin und Tänzerin Birgitta Martin und der Cellistin Monika Herrmann der Auftakt für eine neue Veranstaltungsreihe in der Kapelle sein.

Es ist Probentag, drei der zehn Vereinsgründer sind dabei. Kunstprofessor Hans Sasse, sein Sohn, der Grafiker Stephan Sasse, und der Glaskünstler Henning Haeger haben sich auf Stühlen niedergelassen. Zwischen ihnen bewegen sich die beiden Künstlerinnen. Die Wände hat Martin mit Papier abgedeckt. Gemeinsam mit Cellistin Herrmann tritt sie seit 2007 als Performance-Duo „Be-Mo-tion“ auf: Musikimprovisationen auf dem Cello inspirieren zu Kohlezeichnungen auf dem Papier und umgekehrt. „Es ist eine sehr raumbezogene Arbeit“, sagt Martin. Herrmann ist mit der Akustik der Kapelle sehr zufrieden. Sie habe vor der Probe ein Stück von Bach gespielt. „Die Töne klingen super aus“, lobt sie. Die Kapelle, finden beide, sei ein perfekter Auftrittsort. „Sie ist nicht zu groß und hat viel Atmosphäre. So einen Platz braucht man in Hannover“, sagt Herrmann. Bis zu 80 Menschen, schätzt Sasse, passen in die Kapelle.

Diesen Ort, an dem auch in der Vergangenheit neben Gottesdiensten schon Kulturveranstaltungen stattgefunden haben, will der Verein bewahren - auch wenn sich auf dem Klinikgelände sonst alles ändern wird. Sasse und sein Sohn streiten schon eine Weile dafür und haben auch den Bezirksrat Buchholz-Kleefeld um Hilfe gebeten. Die Chancen stehen nicht einmal schlecht: Der im vergangenen Sommer ausgelobte Architektenwettbewerb brachte einen Siegerentwurf des Münchener Architektenbüros Morpho-Logic hervor, der der Kapelle Platz einräumt. Auch die vier großen Bäume vor dem 1993 errichteten Gebäude könnten erhalten bleiben. Voraussetzung ist, dass der Verein einen Investor für die Kapelle findet. So muss der Eingang neu gestaltet werden, wenn die Klinikgebäude ringsum abgerissen werden. Zudem sind neue Leitungen nötig, der Keller muss für Veranstaltungszwecke hergerichtet werden, und in einem der beiden Nebenräume soll eine behindertengerechte Toilette entstehen. Für die Umbauarbeiten wären rund 230 000 Euro nötig, schätzt der Verein. „Wir wollen mit Stiftungen verhandeln“, sagt Sasse. Er hofft auch auf Unterstützung der Stadt, obwohl diese bisher wenig Neigung zeigte, Geld für die Kapelle auszugeben. Viele Nutzer könnten etwas von dem Gebäude haben, meint Sasse. Auch private Feiern seien dort denkbar.

„Wir als Verein können die Baukosten nicht stemmen“, stellt Haeger klar. Aber man werde sich weiter für den Erhalt einsetzen. Wichtigstes Mittel dafür ist die Kunst selbst: Die jetzt ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe soll Überzeugungsarbeit leisten. Sie gibt mehreren Kunstformen Raum. Im Sommer wird es etwa um eine Kombination aus Musik und Ausstellung gehen, im September trifft eine Percussiongruppe auf andere Darstellungsformen. „Das planen wir noch“, sagt Sasse. Konkret ist bereits der Auftritt von Herrmann und Martin am Sonntag, 27. April. Mit Kohlestift, Bewegung und Cello sind sie ab 16.30 Uhr in der Kapelle, Podbielskistraße 380, zu erleben. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten.


Wohnen auf dem Klinikgelände

Im Jahr 1959 eröffnete das Oststadtkrankenhaus, 1993 entstand die Kapelle auf private Initiative hin. Die Klinik zieht nach Linden, sobald der Neubau des Siloah-Krankenhauses fertig ist. Auch ein großes Buntglasfenster und die Figuren von Christus und Maria aus der Kapelle ziehen mit um. Damit wird in der zweiten Jahreshälfte gerechnet. Die Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) soll das sieben Hektar große Gelände in zwei Abschnitten vermarkten. Ein Bereich im Norden an der Podbielskistraße ist für Büros und medizinische Einrichtungen reserviert. Die größte Fläche nehmen aber rund 300 Miet- und Eigentumswohnungen samt Kindergarten ein. Das Büro Morpho-Logic aus München hat den Architektenwettbwerb gewonnen. Die meisten Klinikgebäude werden abgerissen. Das könnte 2015 beginnen. (ma)
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Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der
Hannoverschen Allgemeinen Zeitung